Wir über uns

Startseite

[Counter]

  Als ich im April des Jahres 2005 durch die Oldtimer-Halle auf der Luftfahrtausstellung "AERO" in Friedrichshafen streifte, entdeckte ich ein ziemlich kleines Schild auf der Nasenleiste eines mir bis dahin unbekannte Musters "Rhönsperber": Dort stand "zu verkaufen" drauf. Etwas ungläubig wartete ich das Ende des Gesprächs ab, das ein sympathischer älterer Herr gerade führte. Der Gedanke, dass so ein "Kunstwerk in Holz und Leinwand" zum Verkauf stand, ließ mich nicht los und nach dem wenig konzentrierten Betrachten der anderen schönen Segelflugoldtimer in der großen Halle kehrte ich zum Rhönsperber zurück, um nach kurzer Begrüßung das Gespräch mit dem sympathischen älteren Herrn schmunzelnd mit der Bemerkung zu eröffnen, dass man doch eigentlich so ein schönes Flugzeug nicht verkauft. Otto Grau stimmte zu...

Mir war natürlich klar, dass meine Begeisterung für dieses wunderschöne historische Segelflugzeug von meiner Frau Claudia sofort und uneingeschränkt geteilt werden würde, die schon immer für schöne Holzflugzeuge (Ka6E) geschwärmt hat und von einem "Knickflügler" geträumt hat. Ich erzählte ihr von meiner "Entdeckung" und auch sie unterhielt sich wenig später mit Otto. Abends gingen wir gemeinsam zu Otto und seinem Rhönsperber, um unsere Unterhaltung fortzusetzen.

Dass man in so einem Fall eigentlich nicht von einem Kauf sprechen kann, war uns dreien klar. Vielmehr geht es darum, so ein zeitlos schönes Holz-Kunstwerk zu erhalten, sich darum zu kümmern, so dass möglichst viele Menschen daran Freude haben können. Das ist übrigens - neben der ganz persönlichen Begeisterung für den Rhönsperber - ein Grund für diese Internetseiten!   
Otto ist wichtig, dass sein Rhönsperber nicht im Museum verstaubt, sondern flugtüchtig bleibt und auch geflogen wird - diese Erwartung werden wir gerne erfüllen!

Jens in und Claudia an der Gö 1 Wolf, die Otto Grau vor dem Rhönsperber nach Originalplänen gebaut hat - sein Meisterwerk Nr.1.
An diesem Tag hat Claudia den Rhönsperber geflogen. Jens durfte nicht - er war noch zu dick. Die Gö 1 Wolf hat jedoch eine Zuladung von erstaunlichen 104 kg...

Claudia und ich sind seit vielen Jahren begeisterte Segelflieger. Seit 8 Jahren fliegen wir intensiv unseren eigenen Doppelsitzer der Offenen Klasse überwiegend in dezentralen und zentralen Wettbewerben. Die Oldtimer-Szene ist Neuland für uns. Mittlerweile haben wir aber, vor allem von unserem Verein (AC Nastätten), so viel Unterstützung zugesagt bekommen, dass wir keine Angst mehr vor den Wartungs- und - das möge uns hoffentlich erspart bleiben - Reparaturarbeiten haben. Unsere Freude an alten Segelflugzeugen wurde im Herbst 2004 geweckt, als sich in Werdohl-Küntrop die Gelegenheit bot, eine britische Slingsby T21 zu fliegen. Dieses "Fliegen in Zeitlupe" (wie ich es gerne nenne) ohne Kabinenhaube hat uns beide beeindruckt und begeistert. Ein Oldtimer ist für mich so eine Art Zeitmaschine: Man fühlt, was Menschen vor 70 Jahren erlebt haben, denn das Flugzeug und die Luft in der es fliegt haben sich ja in all den Jahren nicht verändert.

Zurück zum Rhönsperber: Otto und wir haben unsere Adressen getauscht und nach der AERO den Kontakt gehalten. Ende Mai hat uns Otto nach Aalen-Elchingen zum "Rhönsperber-Fliegen" eingeladen. Ein Vereinskamerad flog uns kurz entschlossen in seiner Piper nach Aalen-Elchingen und ersparte uns so dankenswerterweise eine recht lange Autofahrt. Aus Gewichtsgründen war es mir nicht vergönnt, den Rhönsperber zu fliegen, aber ich konnte dafür ein anderes Meisterwerk von Otto, die Gö 1 Wolf, fast 50 min lang fliegen! Mit nur 50 km/h in einem thermischen Aufwind zu kreisen und die Erde 700 m tiefer riechen zu können - das ist ein tolles Erlebnis. Claudia war auch fliegerisch vom Rhönsperber begeistert und ich hatte von diesem Tag an eine unglaublich gute Motivation, etliche Pfunde abzubauen. Das ist mir in den darauf folgenden Wochen sehr gut gelungen!

Die beste Unterbringung eines Segelflugzeuges ist an der Decke einer Halle.

Am 09.08.2005 sind wir morgens zusammen mit einem Vereinskamerad nach Aalen-Elchingen gefahren, um die Übernahme des Rhönsperbers auch vertraglich abzuschließen und uns von Otto einweisen zu lassen. Da das Wetter an diesem Vormittag recht gut war, hat Otto noch einen halbstündigen Thermikflug gemacht, bevor er uns in die Kunst des Auf- und Abrüstens eingewiesen hat. Das ist gar nicht so kompliziert, wie erwartet. Es gibt jedoch ein paar Feinheiten, die man unbedingt beachten muss: Beispielsweise gibt es unter dem Sitz eine Trennstelle für das dünne Höhenrudertrimmseil, die man beim Aufrüsten besser nicht vergessen sollte. Dank des durchdachten Cobra-Hängers kann man den Rhönsperber mit weniger Leuten auf- oder abrüsten als die meisten Segelflugzeuge vom Typ "Ka8" oder "Ka6". Die Vertragsunterzeichnung fand dann in der gemütlichen Flugplatzunterkunft von Otto und seiner Frau statt. Claudia hat noch eine kühle Flasche Sekt besorgt, um den Anlass ein wenig zu feiern. Klar - leicht ist es Otto nicht gefallen, sein "Baby" in andere Hände zu geben und mich hat seine entspannte Art des Loslassens beeindruckt. Ich wünsche mir, dass auch uns das irgendwann einmal - in sehr ferner Zukunft natürlich - gelingt...

Da es schon recht spät war, führte der Transportweg des Rhönsperbers nicht direkt zu seinem neuen Heimatflugplatz. Er durfte an einem gut bewachten Ort in Wiesbaden die Nacht in der Landeshauptstadt Hessens verbringen. Am nächsten Morgen ging's dann nach Nastätten, wo die zweite Woche des Sommerfluglagers lief. Am 11.09. konnte ich dann meinen ersten Rhönsperberstart machen. Das war am Boden schon recht aufregend, aber in der Luft einfach nur gut. Wer Bilder vom ersten Flug über Nastätten sehen will klickt hier.

In der Saison 2005 sind wir den Rhönsperber gute 4 Stunden in 11 Starts geflogen. Der längste Flug dauerte fast 2,5 h und es wurden dabei 93 km nach OLC-Regeln zurückgelegt.

Dieser Hinweis mag für den einen oder anderen Oldtimer-Verrückten interessant sein: Es ist durchaus möglich, für einen Segelflug-Oldtimer eine Vollkaskoversicherung zu einem fairen Preis abzuschließen. Das war zwar ziemlich schwierig und hat sehr viele Telefonate gekostet, ist aber letztendlich dank eines Hinweises des Geschäftsführers von Classic Wings gelungen. Wer Details wissen möchte, schickt einfach eine E-Mail an Jens@Rhoensperber.de.

Bis zum September 2006 wurden einige Dinge realisiert, die insbesondere den Betrieb des Rhönsperbers erheblich erleichtern:

  • Bau eines Kufenkuller zur Mitnahme im Cockpit ("Reisekuller"). Nota bene: Der Rhönsperber hat kein Rad, sondern strandet stets - wenig "schiebefreundlich" - auf seiner Kufe! 
  • Ersatz des kleinen ungefederten Spornrades durch einen Federsporn.
  • Bau eines Spornkullers, der ebenfalls im Cockpit mitgenommen werden kann. Sind Kufen- und Spornkuller montiert, dann kann der Rhönsperber am Boden genauso einfach bewegt werden, wie ein modernes Kunststoff-Segelflugzeug!
  • Herstellung einer Stromversorgung für Logger, Flarm und Funkgerät. Die Fa. Batt-Mann hat dafür 12V-NiMH-Akkupacks hergestellt, die alle Erwartungen erfüllt haben. Ich habe von der Nutzung von noch leichteren Lithium-Polymer-Akkus abgesehen, weil die Brandgefahr absolut inakzeptabel hoch ist. Der Einsatz eines Solarpanels ist wegen der hohen Kapazität der NiMH-Akkupacks (insgesamt 4*2,5 Ah) kein Thema mehr.
  • Kauf eines dünnen Fallschirms zur Erhöhung des Sitzkomforts.
  • Nähen von weißen Baumwollstaubbezügen, die vor allem die UV-Strahlung vermindern soll, wenn der Rhönsperber am Boden abgestellt ist. So kommt die Aussteuerbettwäsche der Eltern von Claudia und einer Kollegin von ihr zu neuen Ehren.

Grüße von
Claudia & Jens


06.09.2006