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  Hans Jacobs konstruiert 1934 mit dem "DFS Rhönsperber" ein Segelflugzeug, das besonders für den schnellen thermischen Segelflug(1) geeignet ist: Es verfügt über eine gute Gleitzahl(2) von ungefähr 20 und das geringste Sinken liegt bei nur etwa 0,7 m/s. Das geräumige Cockpit und die gute Sicht erleichtert dem Piloten bzw. der Pilotin das konzentrierte Fliegen über viele Stunden.

Die Teilnehmerlisten der Rhönwettbewerbe belegen, dass der Rhönsperber von 1935 bis 1937 das Hochleistungssegelflugzeug der Wahl ist. Es werden viele Weltrekorde und spektakuläre Streckenflüge auf diesem Muster geflogen: Mit dem Rhönsperber gelingt Heini Dittmar 1936 die erste Alpenquerung im Segelflug. Er überfliegt das Alpenzentralmassiv von Nord nach Süd und landet in Italien. 1937 erreicht Paul Steinig mit seinem Rhönsperber eine Höhe von 5760 m - Weltrekord! Wenig verwunderlich also, dass Flugzeugbau Karl Schweyer in Ludwigshafen etwa 100 Rhönsperber in Serie baut.

Augenfälligste Konstruktionsmerkmale des Rhönsperbers sind sein Knickflügel und die tropfenförmige Plexiglashaube. Diese beiden Eigenschaften verbessern die Sicht für den Piloten erheblich und bedeuten einen Sicherheitsgewinn. Der Rhönsperber ermöglicht sogar als eines der ganz wenigen (bis heute konstruierten) Segelflugzeuge den Blick "nach hinten", weil die Haube komplett über dem Rumpf angeordnet ist.

Als erstes Segelflugzeug verfügt - richtig geraten! - der Rhönsperber über Sturzflugbremsen. Dieses an den Ober- und Unterseiten der Tragflächen angeordnete Steuerelement macht die Wolkenfliegerei erheblich sicherer, weil der Pilot jetzt einfach nur die Sturzflugbremsen voll ausfahren muss, wenn er aufgrund der oft brutalen Turbulenz innerhalb einer Gewitterwolke in eine unkontrollierte Fluglage gerät. Die Sturzflugbremsen begrenzen die Fluggeschwindigkeit unterhalb der maximal zulässigen Geschwindigkeit und verhindern so eine Überlastung der Struktur, die zum Auseinanderbrechen des Segelflugzeuges führen kann. Ein weiterer sehr vorteilhafter Aspekt der Sturzflugbremsen ist die Kontrolle über die Sinkgeschwindigkeit bei der Landung in einem weiten Bereich. Landungen auf kurzen Feldern werden jetzt deutlich einfacher und damit sicherer.

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(1) Ein Segelflugzeug ist - anders als ein Luftschiff - schwerer als Luft und sinkt somit relativ zur umgebenden Luft unvermeidbar in Richtung Erdoberfläche. Warum können sich also Segelflugzeuge, die bis zu 850 kg wiegen, stundenlang in der Luft halten? Die Antwort: Wenn das Luftpaket, das das Segelflugzeug umgibt, schneller steigt als das Segelflugzeug im Luftpaket sinkt, dann steigt das Segelflugzeug relativ zum Boden - gewinnt also an Höhe. Vier verschiedene Aufwindarten können unterschieden werden:

  • Hangaufwind   Der horizontale Bodenwind wird vor einem Berg nach oben "umgelenkt". Diese Aufwindart hat bereits Otto Lilienthal am Ende des 19. Jahrhunderts genutzt.
  • Wellenaufwind   Hinter einem Gebirgszug gerät die Luftmasse in Schwingungen. Dort wo die Schwingung eine Komponente "nach oben" hat, kann ein Segelflugzeug Höhe gewinnen. Wellenaufwinde wurden genutzt, um den aktuellen Streckenweltrekord von unglaublichen 3008 km (!!!) zwischen Sonnenaufgang und -untergang aufzustellen.
  • Thermik   Damit thermischer Aufwind entsteht, muss die Sonne den Boden aufheizen. Geschieht dies ungleichmäßig - stellen Sie sich einfach einen schwarz geteerten Parkplatz an einem See vor - dann wird irgendwann das wärmere Luftpaket über dem Parkplatz wie ein Heißluftballon noch oben aufsteigen. Segelflugzeuge kreisen in dieser Warmluftblase, um Höhe zu gewinnen.
  • Polar Vortex   Diese Aufwindform ist noch nicht sehr lange bekannt. Das "Perlan Project" versucht, durch Nutzung dieser Aufwindform den Höhenweltrekord im Segelflug von zur Zeit 14.938 m zu brechen.

Keine Aufwindart, aber eine weitere Möglichkeit, in der Luft zu bleiben ist der dynamische Segelflug, der von den Albatrossen für ihren energiesparenden Flug über die Weltmeere in Perfektion ausgeübt wird. Dabei wird ein sehr starker Windgradient ausgenutzt. Das funktioniert auch mit einem Segelflugzeug, wie von Ingo Renner (dem vierfachen Weltmeister im Segelflug) demonstriert wurde. Allerdings bereiten die dabei auftretenden hohen, immer wieder wechselnden Beschleunigungen wenig Vergnügen und ggf. viel Übelkeit.

(2) Die Gleitzahl gibt an, wie "gut" ein Segelflugzeug in ruhiger Luft gleiten kann. Verfügt ein Segelflugzeug über eine beste Gleitzahl von 40, dann wird 1 m Höhenverlust in 40 m Gleitstrecke umgesetzt. Die Gleitzahlen des Rhönsperbers und des Airbus A320 (wenn alle Triebwerke abgeschaltet sind) unterscheiden sich nur unwesentlich und liegen bei etwa 20 - allerdings bei völlig unterschiedlichen Fluggeschwindigkeiten. Die eta ist das zur Zeit leistungsfähigste Segelflugzeug der Welt. Es erreicht eine beste Gleitzahl von über 70.


31.08.2007