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06.+07. September 2008 - Flugtag in Wershofen Die Wetterprognose für die Eifel hörte sich nicht gut an für das erste Wochenende im September. Da uns die Wershofener Fliegerkameraden einen Hallenplatz für die Austellung des Rhönsperbers zugesagt hatten, war das kein Problem. Und so standen wir am Samstag Morgen sehr früh auf, um zum Briefing um 10:30 Uhr auf dem Flugplatz zu sein. Die Fahrt von Wiesbaden über Nastätten nach Wershofen hatte einen ziemlich geringen Autobahnanteil. Die letzten Kilometer bis zum Flugplatz waren ungewöhnlich: Eine sehr schmale, sehr kurvige Straße. Das Aufrüsten des Sperbers wurde mit einer Jahresnachprüfung kombiniert. Wegen des starken Windes und häufiger Regenschauer am ganzen Wochenende haben wir darauf verzichtet, den Rhönsperber auch in der Luft zu präsentieren. Der kleine Doppeldecker ist die Kunstflugmaschine von Ali Öztürk, eine stark modifizierte Pitts Special. Der Motor leistet sagenhafte 420 PS und ermöglicht Kunstflugfiguren, die ich so zuvor noch nicht gesehen hatte. Am Sonntag hat ein türkischer Fernsehsender einen Beitrag über Ali und seine "Purple Violet" gedreht. Dem Kameramann gelang es fast, seine auf der Kamera montierte Halogenlampe in die Unterseite des Rhönsperberflügels zu versenken. Vor dem Abrüsten am Sonntag wurde der Sperber gewogen - er konnte sein Gewicht seit der letzten Wägung vorbildlich halten. Die Rückfahrt von Wershofen nach Nastätten zum Flugplatz war problemlos, dauerte aber seine Zeit. Auf der Fahrt nach Wiesbaden haben wir auf der Gegenfahrbahn eine Katze gesehen, die offenbar angefahren wurde. Wir hielten an, da das Tier den Kopf aufgerichtet hatte und somit offensichtlich am Leben war. Als wir uns im Schein der Taschenlampe dem Tier näherten, blieb es auf der Fahrbahn liegen. Ich griff beherzt zu und in diesem Moment wurde das Tier ganz unerwartet sehr lebendig, versenkte eine Kralle in meinem Zeigefinger und floh. Es war angeschlagen und auf dem Boden war Blut. Wir haben aber von einer weiteren Verfolgung abgesehen. Erst auf der Weiterfahrt kamen wir auf die Idee, dass es sich möglicherweise um einen jungen Luchs gehandelt haben könnte, da wir keinen langen Schwanz gesehen haben, ich mich aber an einem schwarzen Streifen im hinteren Bereich des Rückens erinnern konnte. Es war überdies zu hochbeinig für eine Katze. Claudia hat deshalb am nächsten Tag Kontakt mit dem Luchsbeauftragten von Hessen aufgenommen, doch es konnten keine Beweise gefunden werden, dass es sich wirklich um einen Luchs gehandelt hat, da der Regen am Folgetag die Blutflecken weggespült hat. Der Vorfall wurde aber in die Datenbank der Luchssichtungen (was es alles gibt) aufgenommen. 30.+31. August 2008 - Jubiläumsfeier "100 Jahre August Euler Flugplatz" Vor 100 Jahre gründete der Flugpionier August Euler in Griesheim bei Darmstadt den ersten Flugplatz Deutschlands. Er konstruierte und baute dort Flugzeuge und bildete gleichzeitig Piloten aus. Weitere Bedeutung erlangte der Flugplatz, als 1933 aus Platzgründen der Sitz der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) von der Wasserkuppe nach Darmstadt verlegt wurde. Zu den bekanntesten Flugzeugmustern der DFS gehören Habicht, Rhönsperber, Reiher, Kranich, Weihe und die Olympia-Meise, die alle von Hans Jacobs entwickelt wurden. Claudia und ich haben die Einladung der TU Darmstadt zur Jubiläumsfeier sehr gerne angenommen, mit dem Rhönsperber nach Darmstadt zu fahren. Allerdings haben wir darauf verzichtet, an den Flugvorführungen teilzunehmen, da wir mit dem Rhönsperber nur auf der Kufe starten können, es aber nur einen kurzen Streifen Gras gibt, auf dem gelandet und gestartet werden muss. Die Entscheidung war richtig: Hätten wir den Rhönsperber fliegen wollen, dann hätten wir leider auf die Ausstellung des Oldtimers verzichten müssen, da ein Transport vom Ausstellungsort zum Start und wieder zurück während der Veranstaltung nicht möglich war. Die einzige Rollbahn war nämlich für die Zuschauer reserviert und ein Transport auf der Startbahn hätte die Vorführungen der anderen Flugzeuge blockiert. Das Wetter wäre allerdings seit langer Zeit mal wieder sehr geeignet gewesen, um den Rhönsperber in die Luft zu bringen. Und eine Landung auf diesem historischen, heute nur noch für die Uni nutzbaren Flugplatz, wäre auch ein besonderer Eintrag für das Flug- und Bordbuch gewesen. Claudia und ich fahren am Freitag, gleich nach der Arbeit, zum Flugplatz und holen den Rhönsperber nach Wiesbaden, um am nächsten Morgen ca. 1,5 h Fahrzeit einzusparen. Am Samstag klingelt der Wecker früh. Nach dem Frühstück geht's mit dem Rhönsperber im Anhänger nach Darmstadt-Griesheim. Es sind bereits ziemlich viele Zuschauer auf dem Flugplatz, als wir gegen 10:00 Uhr eintreffen. Leider finden wir niemanden, der uns ein paar sachdienliche Hinweise zum "Static Display" geben kann. Wir rüsten zwischen den Besuchern auf, was keine so gute Idee ist. Jeder möchte aus verständlichen Gründen das klar lackierte Holz anfassen, aber das tut dem Rhönsperber nicht so gut. Es ist schon anstrengend, die Leute freundlich auf Distanz zu halten. Da uns niemand vom Veranstalter-Team sagen kann, wo der Rhönsperber ausgestellt werden soll, sortieren wir ihn vor der Halle zwischen dem Grunau Baby und der Lippisch-Ente ein. Dank Absperrgitter können wir jetzt noch das Höhenleitwerk in Ruhe montieren. Claudia und ich wechseln uns ab, die Fragen der Flugtagbesucher zu beantwortet. Die mit Abstand am häufigsten gestellte Frage ist, ob denn überhaupt ein Mensch in das Flugzeug passt. Die durchsichtige Kanzel des Rhönsperbers ist in der Tat sehr klein und bietet nur dem Kopf Platz. 1934 war es noch nicht möglich, die heute verbreiteten großen Kabinenhauben aus einem Stück herzustellen. Einen wesentlichen Beitrag zum großen Erfolg der Veranstaltung leistete sicherlich das Wetter, das nicht besser hätte sein können: Bei sommerlichen Temperaturen und blauem Himmel konnten über 100 Motor- und Segelflugzeuge - überwiegend Oldtimer - am Boden und in der Luft bestaunt werden. 16 000 Zuschauer schauten am Samstag auf dem Griesheimer Sand vorbei und am Sonntag waren es sogar 20 000, ich habe auch die Zahl 50 000 gehört. Besonders fasziniert hat mich der "Mega-Oldtimer" Blériot XI. Der Schwede Mikael Carlson besitzt gleich zwei hervorragend restaurierte Originalflugzeuge. Die Gnome Omega Umlaufmotoren stammen aus dem Jahr 1908! Ich hatte am Sonntag - dank "Backstage-Ausweis" - die Gelegenheit, beim Start dabei sein zu dürfen. Ein großer Zeitsprung von fast genau 100 Jahren zurück in die Vergangenheit: Am linken Fahrwerk stehen zwei Ölkännchen. Mikael checkt seine Maschine noch einmal gründlich durch, bevor die von außen zugänglichen beweglichen Teile an jedem der sieben Zylinder gründlich abgeschmiert werden. Dann erklimmt er das hoch liegende Cockpit. Das Anlassen des 50 PS Sternmotors erfolgt selbstverständlich von Hand und wenig später stellt sich ein Geruch ein, den ich bisher nur vom Modellfliegen kenne: Rizinusöl. Der Klang des Umlaufmotors ist ungewöhnlich. Die Grasfläche des Fluggeländes ist sehr uneben, weil unzählige Kaninchen umfangreiche "Bauarbeiten" vorgenommen haben. Nur ein kleines Stück westlich der Asphaltbahn kann für Starts und Landungen genutzt werden. Mikael startet exakt gegen den Südwestwind. Nach erstaunlicher kurzer Startstrecke sind er und seine Zeitmaschine in der Luft und fliegen in Richtung Zuschauer. Dieser Flugapparat kann nicht so geflogen werden wie ein "modernes" Motorflugzeug der 30er Jahre. Mikael fliegt nicht hoch und nicht sehr schnell. Die im Geradeausflug gewonnene Höhe wird für das sichere Fliegen der Kurven wieder abgebaut. Man hat auch als erfahrener Segel-/Motorflieger zuweilen den Eindruck, dass das irgendwie "nicht so gut" aussieht, wie die Maschine da am Himmel hängt. Aber das täuscht - alles befindet sich satt im grünen Bereich. Die "Motoraussetzer" sind für den Eingeweihten kein Grund für eine Blutdruckerhöhung, denn diese Motoren verfügen über keinen Gashebel. Es gibt nur ein "Zündung aus" oder "Zündung ein" - Digitaltechnik weit vor Prof. Zuse. Die Landung erfolgt ebenfalls genau gegen den Wind. Der Holzsporn durchpflügt einen Kaninchenbau, während das Hauptfahrwerk aufsetzt. Ich bin schwer begeistert von der Vorstellung! Der Rhönsperber hatte einen sehr guten Ausstellungsplatz direkt neben der "Raketen-Ente" des Segelflugmuseums auf der Wasserkuppe erhalten und die beliebteste Frage war wieder, ob man denn in dieses kleine Cockpit wirklich hineinpasst. Das Öffnen der Haube, die aus mehr als nur der in der Tat kleinen durchsichtigen Kanzel besteht, hat die Frage schnell beantwortet. Claudia ist es gelungen, den Falkner des Griesheimer Sandes zu überzeugen, dem Rhönsperber zusammen mit seinem Wüstenbussard einen Besuch abzustatten. Mit diesem Greifvogel und mit der Unterstützung von Iltissen wird der Kaninchenbestand auf dem Flugplatz kontrolliert. Wir haben unseren drei Kaninchen zu Hause nichts von dieser ungewöhnlichen Jagdmethode erzählt. |
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